Vorwort

„Jeder kennt sie und keiner weiss etwas darüber.“ - So etwa könnte man die Stellung der Glocke in unserer Gesellschaft bezeichnen, denn obwohl kaum jemand über ihren Hintergrund, ihre ursprünglichen Bedeutungen und Nutzen Bescheid weiss, hat sie sich tapfer über Jahrhunderte hinweg gehalten. Sie ruft, selbst wenn man heutzutage weniger oft die Möglichkeit hat, sich die Zeit zu nehmen, um einmal stehen zu bleiben und genau hin zu hören, noch immer regelmässig von ihrem Turme herab. So möchte ich es mir im Rahmen meiner Maturitätsarbeit zur Aufgabe machen, etwas Licht in die dunklen Glockentürme unserer Kirchen zu bringen und das Augenmerk auf ein Thema richten, das auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich anmuten mag, bei näherem Hinsehen jedoch voll von uralten Mythen und Legenden ist.

Glocken kamen als gottesdienstliche Geräte in China und Japan schon vor Jahrtausenden vor als kultisches Mittel in buddhistischen Tempeln zur Abwehr böser Geister und Dämonen oder zum Anrufen von Göttern. Diese wurden aber lediglich angeschlagen, nicht etwa geläutet. Schon sehr früh wurden von den Römern Glocken kleinen Formates -sogenannte Schellen, von welchen diese Arbeit aber nicht handeln soll- hergestellt. Erst in der christlichen Kirche entwickelten unsere Kirchenglocken ihre heutige Form und Bedeutung.

Heutzutage lässt sich ein Gotteshaus ohne Glocken nur schwer denken; die ärmste Kapelle besitzt um die Gläubigen herbeizurufen wenigstens ein bescheidenes Glöcklein.

Wie ein Arzt ohne Kenntnisse des menschlichen Körpers nicht operieren kann, dünkt es mich, bedarf es zu für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Glocken auch einiger theoretischer Grundkenntnisse.

Im zweiten Teil meiner Abhandlung über Glocken werde ich mich näher mit kirchlichen Gesichtspunkten, wie den verschiedenen Läuteanlässen, der Glockenweihe auseinandersetzen aber dann auch konkret einige Glocken aus der Schweiz, insbesondere des Klosters Stellamaris in Wettingen, vorstellen.

Herzlichst, Ihr


David Studer
Handglocke



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